»Es wäre Willkür, wollte man sagen, womit die Entwicklung des Films begann, und es ist unmöglich, vorauszusehen, wohin sie führen wird. Welche Erfindung markiert den Anfang? War es das erste Gerät, das Bewegung in die Bilder auf einer Leinwand brachte? Oder begann die Entwicklung mit den ersten Photographien verschiedener Phasen sich bewegender Gegenstände? Fing alles mit der ersten Vorführung aufeinanderfolgender Bilder in einer solchen Geschwindigkeit an, dass ein Bewegungseindruck entstand? Oder war die Geburtsstunde der neuen Kunst, als es den Experimentatoren zum ersten Mal gelang, derart schnell vorbeigleitenden Bilder auf eine Wand zu werfen?« (Hugo Münsterberg, 1916)
Die Frage danach, an welchem Punkt die Filmgeschichte beginnt, hat immer etwas kompliziertes: Beginnt sie mit den technischen Möglichkeiten der Projektion, oder dem ersten theoretischen Ansatz, der das Wort »Filmgeschichte« im Titel trägt? Die Filmgeschichtsschreibung verbindet verschiedene Ansätze und wird so scheinbar zum Vermittler historischer Fragestellungen. Interessant ist dabei, wie sich die Geschichte des Mediums im Film darstellt und wie scheinbar parallel die verschiedenen Ansätze der Filmgeschichtsschreibung zur Unmöglichkeit werden, eine allgemeingültige Geschichte des Films zu schreiben. Das Seminar setzt sich zum Ziel, verschiedene Lektüreweisen der Filmgeschichte zu untersuchen und dabei eine nicht zu verfehlen: die Sichtbare. Während das Programm der »National Film Registry« lediglich 25 Filme pro Jahr für die Geschichtsschreibung »rettet«, bleibt dem Seminar eine Auswahl von nur 8 Filmen. Das Material für das Seminar und die Literatur wird Ihnen in einem Moodle-Raum zur Verfügung gestellt. In der ersten Online-Sitzung des Seminars besprechen wir, an welchen Terminen wir uns treffen und wann wir online bleiben.
- Trainer/in: Manuela Klaut