Das Ephemere besteht nur für einen Tag – es ist flüchtig, ein Hauch.
Architektur hingegen gilt als beständig, solide, dauerhaft. Kann also
Architektur ephemer sein? Oder gar die Stadt? Und was würde das bedeuten
für die Gestaltung unserer Umwelt, für das Entwerfen von Architektur,
für die Ausbildung von Architekt*innen und Stadtplaner*innen?
Das Seminar erkundet das Feld des Ephemeren in Architektur und Stadt und hinterfragt, ob das Ephemere wirklich „ohne bleibende Bedeutung” ist, wie der Duden meint.
Das Spektrum des Ephemeren als Forschungsgegenstand dieser Lehrveranstaltung erstreckt sich von Zirkuszelten, Luftschlössern und Wolken-Pavillons über Flüchtlingscamps und Obdachlosenunterkünften, Fest-, Festival- und Ritualarchitekturen bis zu ephemerer Stadtentwicklung und virtuellen Architekturen in VR-Umgebungen, Architekturen im Film, in der Literatur oder in der Musik. Ziel ist es, den Charakter des Ephemeren aus den gewählten Objekten herauszuarbeiten und zu untersuchen, wie sich Flüchtigkeit und Dauerhaftigkeit zueinander verhalten. Welche Rolle spielt die Zeit bei der Gestaltung der ephemeren Architektur, welche das Material, welche die Sinne? Welche anderen Einflüsse und Auswirkungen lassen sich beobachten? Und welche Erkenntnisse lassen sich daraus für den Architekturentwurf und die Stadtplanung der Gegenwart und Zukunft ableiten?
Ausgangspunkt und Zielgebiet der Forschung sind Architektur und Stadt. Dazwischen können unterschiedlichste Ansätze aus der Kulturwissenschaft, der Kunst, der Medienwissenschaft, der Geschichte, der Politik, der Soziologie, der Theologie oder der Philosophie liegen.
Mit der Methode des „forschenden Lernens” werden die Studierenden selbst aus dem Fundus der Ephemeren Architektur ihre Schwerpunkte wählen, diese erforschen, ihr Wissen kondensieren und weitergeben. Kollaboratives Arbeiten ist hierbei das zentrale Element, um neben der Fachkompetenz und der Methodenkompetenz auch soziales Handeln, vernetztes Denken und andere Schlüsselkompetenzen zu trainieren.
Dieser Ansatz setzt eine motivierte Teilnahme voraus sowie die Bereitschaft, selbstständig und im Team zu arbeiten, experimentell zu denken und zu gestalten.
- Trainer/in: Ulrike Barbara Kuch